Wirtschaftliche Maßnahmen gegen Folgen der Coronakrise in Sachsen

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21.09.2020

Zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise stehen Ihnen im Freistaat Sachsen nachstehende Hilfsangebote zur Verfügung. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Herrn Schulze, Bereich Betriebswirtschaft, Tel. 0341 200537-40, thomas.schulze@installateur.net.

Überbrückungshilfe geht bis Dezember in die Verlängerung

Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer können sich seit 8. Juli 2020 auf einer Plattform registrieren und Anträge für krisengeschüttelte Unternehmen stellen. Für Überbrückungshilfen als Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung stehen 25 Milliarden Euro zur Verfügung.

Antragsberechtigt sind alle Unternehmen und Soloselbstständigen, deren Umsätze infolge der Corona-Krise im April und Mai 2020 um mindestens 60 % gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen sind. Auch dürfen sie Ende 2019 noch keine Schwierigkeiten gehabt haben. War ein Unternehmen im April 2019 noch nicht am Start, werden die Monate November und Dezember 2019 für den Vergleich herangezogen. Beschränkungen bei der Mitarbeiterzahl gibt es keine, allerdings darf das Unternehmen im Jahr nicht mehr als 50 Millionen Euro Umsatz machen oder Hilfen über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds beantragt haben.

Anträge auf die entsprechenden Zuschüsse müssen Sie über Ihren Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder einen vereidigten Buchführer Antrag stellen. Damit soll Subventionsbetrug vermieden werden.

Wichtig:
Anträge für die 1. Phase der Überbrückungshilfe (Fördermonate Juni bis August 2020) müssen spätestens bis zum 30. September 2020 gestellt werden. Es ist nicht möglich, nach dem 30. September 2020 rückwirkend einen Antrag für die 1. Phase zu stellen. Im Beantragungsfall sollten Sie daher zeitnah Kontakt zu Ihrem Steuerberater aufnehmen und die Unterlagen gut vorbereiten.

Die 2. Phase der Überbrückungshilfe umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020. Anträge für die 2. Phase können voraussichtlich ab Oktober gestellt werden.

Um besonders die Unternehmen, bei denen das Geschäft durch behördliche Einschränkungen oder Hygiene- und Abstandsregeln immer noch stark beeinträchtigt ist, noch besser zu erreichen, werden folgende Änderungen am Programm vorgenommen:

  1. Flexibilisierung der Eintrittsschwelle: Zur Antragstellung berechtigt sind künftig Antragsteller, die entweder
  • einen Umsatzeinbruch von mindestens 50 % in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis August 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahresmonaten oder
  • einen Umsatzeinbruch von mindestens 30% im Durchschnitt in den Monaten April bis August 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet haben.
  1. Ersatzlose Streichung der KMU-Deckelungsbeträge von 9.000 Euro bzw. 15.000 Euro.
  2. Erhöhung der Fördersätze. Künftig werden erstattet
  • 90% der Fixkosten bei mehr als 70% Umsatzeinbruch (bisher 80% der Fixkosten),
  • 60% der Fixkosten bei einem Umsatzeinbruch zwischen 50% und 70% (bisher 50% der Fixkosten) und
  • 40% der Fixkosten bei einem Umsatzeinbruch von mehr als 30% (bisher bei mehr als 40% Umsatzeinbruch).
  1. Die Personalkostenpauschale von 10% der förderfähigen Kosten wird auf 20% erhöht.
  2. Bei der Schlussabrechnung sollen künftig Nachzahlungen ebenso möglich sein wie Rückforderungen.

Weitere Infos, FAQs und die Registrierung für Steuerberater finden Sie unter www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de.

Rettungspaket für Soloselbständige und Kleinstunternehmen

Bund und Länder haben Soforthilfen für Soloselbstständige und kleine Unternehmen beschlossen. Demnach können Firmen mit bis zu 5 Beschäftigten 9.000 Euro erhalten, bei bis zu 10 Beschäftigten sind es 15.000 Euro. Diese müssen nicht zurückgezahlt werden. Eine eidesstattliche Versicherung, wonach eine Existenzbedrohung oder ein Liquiditätsengpass wegen Corona  gegeben sind, reicht. Die Antragstellung war bis 31. Mai 2020 möglich. Die Umsetzung ist in den Ländern unterschiedlich geregelt.

Im Freistaat Sachsen ist die Sächsische Aufbaubank – Förderbank (SAB) mit der Beantragung und Auszahlung der Soforthilfen für kleine Unternehmen und Soloselbstständige beauftragt und nimmt bevorzugt Ihre online-Anträge entgegen.

Für Fragen erreichen Sie die SAB unter der Hotline 0351 4910-1100. Aufgrund eines erhöhten Anrufaufkommens kommt es derzeit zu längeren Wartezeiten.

Zum Antrag auf Soforthilfe

Sonderprogramm für Kleinstunternehmen im Freistaat Sachsen "Sachsen hilft sofort"

Einzelunternehmer, Freiberufler und Kleinstunternehmen in Sachsen, welche vom Ausbruch des Coronavirus wirtschaftlich betroffen sind, können seit 23.03.2020 bei der SAB das Soforthilfe-Darlehen "Sachsen hilft sofort" beantragen.

Tipp: Die Beantragung ist ohne Hausbank vorgesehen.

Gefördert werden Einzelunternehmer (Solo-Selbständige), Kleinstunternehmen und Freiberufler in Sachsen bis zu 100 Mitarbeitern mit einem Jahresumsatz oder einer Jahresbilanz bis zu 1 Mio. Euro. Die Darlehenshöhe beträgt im Regelfall mind. 5.000 bis max. 50.000 Euro. Seit 17. April können auch Unternehmer mit bis zu 100 Mitarbeitern und mehr als 1 Mio. Euro Jahresumsatz bei der SAB Förderanträge stellen.

Konditionen, Voraussetzungen und die erforderlichen Formulare zu diesem Soforthilfedarlehen finden Sie auf der Förderproduktseite zum Programm.

Für Fragen erreichen Sie die SAB unter der Hotline 0351 4910-1100 sowie unter der E-Mail corona@sab.sachsen.de. Die Beratung ist kostenlos.

KfW-Schnellkredite

Seit 23.03.2020 können Firmen, die durch die Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten seien, Sonderkredite der KfW in Anspruch nehmen. 

Es hat sich erwiesen, dass die Hausbanken trotz einer Haftungsbeschränkung auf 10% (KMU) bzw. 20% noch immer strenger bei der Bonitätsprüfung unterwegs sind, als es von der Bundesregierung bei der Konzeption des Maßnahmenpakets beabsichtigt und angekündigt war. Insbesondere beschränkten sich die Hausbanken bei der Kreditprüfung nicht allein darauf festzustellen, ob das Unternehmen bis zum Eintritt der Corona-Krise kreditwürdig war. Stattdessen wurden nach Angaben des Handelsblatts von den Banken Szenarien durchgespielt, nach denen ein Unternehmen, das einen Kredit beantragt, auch nach 3 bzw. 6 Monaten krisenbedingter Ausfälle noch dazu in der Lage sein muss, den Kredit innerhalb von 5 Jahren zu tilgen. Aus naheliegenden Gründen ist das nur bei wenigen Unternehmen der Fall.

Die Bundesregierung hat daher weitere Hilfen für den Mittelstand beschlossen: Auf Basis des am 03.04.2020 von der EU-Kommission veröffentlichten angepassten Beihilferahmens (sog. Temporary Framework) wurden umfassende "KfW-Schnellkredite" für den Mittelstand eingeführt, bei denen der Staat 100 % der Kreditrisiken übernimmt, so dass keine eigene Bewertung der Hausbank mehr notwendig ist.

Die Konditionen:

  • Förderkredit für Anschaffungen und laufende Kosten
  • für Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern, die mindestens seit Januar 2019 am Markt sind
  • 100 % Risikoübernahme durch die KfW
  • keine Risikoprüfung durch Ihre Bank
  • Max. Kreditbetrag: bis zu 25 % des Jahresumsatzes 2019
    • Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten erhalten max. 500.000 Euro
    • Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten erhalten max. 800.000 Euro
  • Bis zu 10 Jahre Zeit für die Rückzahlung, 2 Jahre keine Tilgung
  • Voraussetzung: Sie haben im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 oder im Jahr 2019 einen Gewinn erzielt

Die Schnellkredite können seit 15. April 2020 beantragt werden. Weitere Infos finden Sie hier.

Unternehmen, die Bürgschaften für Kredite in Anspruch nehmen möchten, werden gebeten, sich an die Bürgschaftsbank Sachsen zu wenden. Die Bürgschaftsbank Sachsen vergibt Express-Bürgschaften für Unternehmen schnell und unbürokratisch und hat ihre Preise für Bürgschaften für Unternehmen, die von der Corona-Krise betroffen sind, rückwirkend zum 13.03.2020 gesenkt. Notfall-Hotline der BBS:

  • Regierungsbezirke Chemnitz & Leipzig: 0174-3807535
  • Regierungsbezirk Dresden: 0172-6028464

Steuerliche Maßnahmen

Wenn es in Unternehmen aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus zu Beeinträchtigungen kommt, stehen auch verschiedene steuerliche Hilfsangebote der Finanzämter zur Verfügung:

  • Herabsetzung von laufenden Vorauszahlungen zur Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer
  • Gewährung von Stundungen
  • vorübergehender Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen
  • Erlass von Säumniszuschlägen

Ab sofort ist es möglich, die Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung für das Jahr 2020 nachträglich bis auf Null Euro herabzusetzen. Demnach können dann bereits gezahlte Beträge erstattet oder mit anderen Zahllasten verrechnet werden. Für die Nutzung dieser Möglichkeit genügt ein formloser Antrag an das zuständige Finanzamt.

Für Unternehmen wurde die Gewährung von Steuerstundungen erleichtert, wenn die Einbeziehung eine erhebliche Härte darstellen würde. Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat die Finanzverwaltungen angewiesen, keine strengen Anforderungen zu stellen. Laut Sächsischem Finanzministerium (SMF) ist eine Stundung grundsätzlich für alle Steuerarten möglich. "Nur" die Lohnsteuer und Kapitalertragsteuer dürfen nicht gestundet werden. Zudem gilt dies nur für offene Steuerzahlungen.

Ein Antrag ist schriftlich oder per E-Mail an das zuständiges Finanzamt zu richten. Darin muss dargelegt werden, um welche Steuerforderung es sich konkret handelt. Der Antrag ist zu begründen. Die Antragsformulare können Sie ebenfalls auf dem Wege anfordern. Es ist zudem möglich, Ratenzahlungen zu vereinbaren und Steuervorauszahlungen anzupassen.

Achtung:
Für die Gewerbesteuer und die Grundsteuer sind Stundungs- und Erlassanträge an die jeweilige Gemeinde zu richten. Allerdings kann das Finanzamt nach Antrag auf Herabsetzung der Gewerbesteuervorauszahlungen den Gewerbesteuermessbetrag mindern.

Bei den Steuern, die von der Zollverwaltung verwaltet werden (z.B. Energiesteuer), ist die Generalzolldirektion angewiesen worden, den Steuerpflichtigen entgegenzukommen. Gleiches gilt für das Bundeszentralamt für Steuern, das für die Versicherungssteuer und die Umsatzsteuer zuständig ist und entsprechend verfahren wird.

Außerdem soll auf Vollstreckungsmaßnahmen bzw. Säumniszuschläge bis zum 31.12.2020 verzichtet werden, solange der Schuldner einer fälligen Steuerzahlung unmittelbar von den Auswirkungen des Corona-Virus betroffen ist.

Informationen der sächsischen Finanzverwaltung finden Sie hier. Die Antragstellung besprechen Sie bitte mit Ihrem Steuerberater.

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